Die Kraft der Geschichten: Social Media Storytelling

Storytelling ist aufwendig, Storytelling ist nur etwas für große Budgets, Storytelling bringt nichts. Alles schon gehört und alles nicht richtig. Social Media Storytelling ist vor allem eins: wirksam und flexibel!

Natürlich kann diese Technik ein mächtiges Tool für riesengroße Budgets mit spielfilmfüllenden Heldenreisen von Anfang über den Spannungsbogen und mit einer wundervollen Auflösung am Ende sein. Aber das ist nicht der einzige Weg, eine kraftvolle Geschichte kommunizieren zu können. Auch die kleinsten Geschichten, aus wenigen Sätzen, mit nur einem Bild, können uns bewegen. Storytelling eignet sich hervorragend für Social Media – und warum, zeigen wir dir.

 

Storytelling: Was ist das?

Ob bewusst eingesetzt, wie im Marketing, oder im privaten Bereich, das Storytelling (oder das Geschichtenerzählen) gehört zu den stärksten Formen der Kommunikation. Warum? Unser Gehirn ist so verkabelt, dass es Inhalte besser und langfristiger verarbeitet, wenn uns diese emotional berühren. Anders formuliert: alles, was uns auf emotionaler Ebene bewegt und abholt, wandert ins Langzeitgedächtnis und verbleibt länger im Kopf. Also: Gute Geschichten sind nicht nur toll zu konsumieren, sie schmeißen im Gehirn auch Prozesse zur  Informationsverarbeitung und -speicherung an.

Was bereits mit Höhlenmalerei begonnen hat, ist heute eine durchdachte Kommunikationstechnik geworden, die strategisch eingesetzt werden kann, um Zielgruppen zu erreichen, Produkte zu vermarkten und sogar das Corporate Image aufzupeppen. Also ein wirksames Tool für Marketing und PR.

Ganz klassisch geht es beim Storytelling um die Heldenreise und die kann mit mehr oder weniger Stationen einen ganzen Roman füllen. Der Protagonist / die Protagonistin trifft auf einen Konflikt, ein Ereignis oder eine Frage und schafft am Ende eine Lösung mit happy, unhappy oder open End.

 

Storytelling: Warum brauchen wir das?

Wäre es nicht schade, wenn die Welt nur aus Zahlen und Fakten bestünde? So sieht es vor allem unser Gehirn. Denn wie oben schon kurz erwähnt: emotional bewegende Inhalte wandern eher ins Langzeitgedächtnis.

Warum ist das so? Dafür sorgen die Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Diese besonderen Nervenzellen sind die Grundlage unseres Empathievermögens. Sie sorgen dafür, dass Gefühle und Stimmungen anderer Personen identifiziert und nachempfunden werden können. Sie spiegeln dies, wie der Name schon sagt, durch Beobachtung, aber ohne eine eigene Handlung aktivieren zu müssen. Beispiel: Wenn ich ein Kind sehe, dass hingefallen ist und sich wehgetan hat, kann ich dieses Gefühl nachempfinden und mitfühlen, ohne selbst Schmerzen haben zu müssen. Gleiches passiert beim Lesen. Wenn der Hauptfigur in einem Roman etwas Dramatisches widerfährt, kann mich dies berühren, ohne dass ich in derselben Situation bin. Man kann mitweinen, mitlachen, sich mitärgern, ohne selbst direkt betroffen zu sein. Bei Menschen mit Autismus ist die Funktion der Spiegelneuronen gestört, sodass es Ihnen schwerfällt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen.

Natürlich muss man keine Neurowissenschaft studiert haben, um erfolgreiches Storytelling für Social Media betreiben zu können. Aber klar ist: Je stärker das Storytelling, desto eher gelingt die Identifikation, und desto glaubwürdiger werden vermittelte Inhalte wahrgenommen. Das kann bewusst für Kommunikation genutzt werden, da auf dieser Ebene unter Umständen langweilige und schwer konsumierbare, faktische Inhalte transportiert werden können. Inhalte, die sonst womöglich auf taube Ohren stoßen würden.

 

Storytelling und Social Media

Wir haben also gelernt, das Storytelling eine Superpower ist. Also warum nicht nutzen? Schon in kleinstem Rahmen mit Bildgewalt und wenig Text ist das möglich. Also perfekt für Social Media, da sich hier ein weiterer Vorteil ergibt: Wir Menschen sind visuelle Wesen. Über 80 Prozent der Informationsaufnahme geschieht über den Sehsinn. Das heißt: Inhalte wie Bilder und Videos werden schneller erfasst und verarbeitet als Texte. Beste Voraussetzungen dafür liefern die sozialen Plattformen. Aber wie fängt man an und wie bricht man die Heldenreise so herunter, dass es auf ein Social Media Format passt?

Beginnen wir erstmal bei der Basis. Was braucht eine Geschichte im Minimum? Und Minimum ist hierbei ein entscheidendes Wort. Denn unsere Geschichte muss wahrgenommen werden und das wird, wenn sie zu komplex und umfangreich ist, bei den schnelllebigen Social Media Feeds schwierig. Denn das Publikum ist ungeduldig. Und das ist gleichzeitig die Kunst: Etwas gleichzeitig so gering und eindrucksvoll wie möglich darzustellen. Was also braucht man?

 

Storytelling Minimalismus

Man braucht den Helden / die Heldin der Geschichte – egal ob Mensch, Tier oder Sache. Der Held / die Heldin braucht einen Konflikt, ein Ereignis, eine Frage, einen Gegenspieler und muss sich diesem stellen. Und ein Ende, das auch offen sein oder überraschen kann. Und zu guter Letzt braucht die Geschichte einen Grund oder eine Botschaft, die sie vermittelt. Storytelling kann auf diese Weise unterschiedlich aufgebaut sein. Es kann ein Storytelling-Konzept geben, das über mehrere Beiträge verteilt wird. Jeder einzelne Beitrag sollte dann narrativ so aufgebaut sein, dass er sowohl verständlich ist als auch Lust auf den nächsten macht. So baut sich die Geschichte nach und nach auf. Storytelling funktioniert aber auch, wenn sich die Geschichte innerhalb nur eines Beitrages abspielt.

Hier ist nicht unbedingt ein Spannungsbogen nötig, wie in ausführlicheren Heldenreisen. Wichtiger ist ein starker Einstieg: das kann eine typografische Frage sein, etwas Unbekanntes, nicht sofort Erkennbares, ein eindrucksvolles Bild – etwas, was Aufmerksamkeit schafft. Je überraschender und kontrastreicher das Ende, desto besser.

Nun fragt man sich, wie viel Text muss man schreiben? Maximal 4 Sätze sollten reichen, um die Situation und das Ende darzustellen. Der Text ist nur ein Teil der Geschichte und wird durch Bild oder Video ergänzt.

Wichtig ist dabei, dass man diese Technik nicht nur als bloßes Mittel dafür sieht, einzelne Produkte zu verkaufen. Darunter könnte die Glaubwürdigkeit leiden. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, Kunden und User emotional zu erreichen und sich als Marke zu präsentieren.

 

Gelungenes Social Media Storytelling:

#StayHomeSaveLives

Ein Beispiel: In den ersten Monaten der Pandemie haben wir vor allen eines gehabt: Viele Fragen. Und diese sind in der größten Suchmaschine des Internets zusammengekommen. Mit den häufigsten Suchanfragen hat Google ein kurzes Video und ein packendes Storytelling geschaffen. Unter dem Hashtag #StayHomeSaveLives wurde eine klare Botschaft vermittelt: Bleibt zuhause, helft dadurch den Mitarbeitenden des Gesundheitswesens und verhindert Überlastungen des Gesundheitssystems. Schaut euch das Video hier an. Wenn wir uns das Schema des Storytellings vor Augen halten, dann sind die einzelnen Bausteine leicht erkennbar:

  • Die Helden: die Mitarbeitenden des Gesundheitssystems – ÄrtztInnen und KrankenpflegerInnen
  • Der Konflikt: die Pandemie
  • Lösung / die Botschaft: #StayHomeSaveLives

 

 

Storytelling klingt gut? Wie aber umsetzen?

Sprecht uns an und lasst uns eure Geschichte erzählen. Anne und Sarah erzählen dir gerne mehr dazu.

 

 

Quellen:
https://allfacebook.de/gastbeitrag/storytelling-bietet-mehr-als-nur-heldenreisen
Storytelling im Social Media: So erreicht man seine Zielgruppe! (socialmedia-blog.de)
Social Media Storytelling – How To Do It Right? (socialpilot.co)
https://www.leipzigschoolofmedia.de/blog/storytelling-geschichten-als-wohltat-fuer-das-gehirn